Corporate Governance Code: Faustregel für die (Neu)Ernennung des externen Auditors

Im belgischen Corporate Governance Code finden Sie Regeln, die bestimmen, wie Gesellschaften geleitet und kontrolliert werden. Dieser Kodex für börsennotierte Gesellschaften kann auch als Bezugsrahmen für andere Gesellschaften dienen. Die 'Faustregel für das Verfahren der Neuernennung des externen Auditors zur Garantierung eines qualitätsvollen und transparenten Audits' der Corporate-Governance-Kommission unterstützt die Anwendung der Bestimmung über das Ernennungsverfahren des Aufsichtsrats. Dieser wichtige Schritt garantiert, dass die Arbeit des externen Auditors auch auf der Grundlage anderer Kriterien als lediglich des Honorars beurteilt wird.

Belgischer Corporate-Governance-Kodex 2009

Unter Corporate Governance wird eine Reihe von Regeln und Grundsätzen verstanden, die bestimmen, wie Gesellschaften geleitet und überwacht werden. Das belgische Gesellschaftsrecht und die belgische Finanzgesetzgebung enthalten umfangreiche Corporate-Governance-Regeln für börsennotierte Gesellschaften. Der Corporate-Governance-Kodex der Corporate-Governance-Kommission ergänzt diese belgische Gesetzgebung. Dieser Kodex beruht auf dem Comply-or-Explain-Prinzip, wonach bei Nichteinhaltung die Abweichungen offenzulegen sind. Der Kodex enthält Grundsätze, Bestimmungen und Richtlinien. Er ist an erster Stelle für börsennotierte Gesellschaften bestimmt, aber er kann auch für alle anderen Gesellschaften hilfreich sein. Der Kodex 2009 ist bereits die zweite Ausgabe. Er gilt für die Berichtsjahre, die am 1. Januar 2009 oder später beginnen, und ersetzt den Kodex aus dem Jahr 2004.

Qualitätsvolle und transparente Abschlussprüfung

Um die Unternehmen bei der Anwendung ihrer Corporate-Governance-Politik zu unterstützen, bietet die Corporate-Governance-Kommission ihnen verschiedene praktische Instrumente an. Die Mitteilungen der Kommission sind nicht bindend. Die Dokumente enthalten informative Erläuterungen mit einer Beschreibung von Prüfungstechniken oder gesetzlichen Berufsvorschriften. Das Instrument über das Ernennungsverfahren des Aufsichtsrats ist wichtig, weil es eine Garantie bietet, dass die Arbeit des Abschlussprüfers auch auf der Grundlage von anderen Kriterien als nur des Honorars beurteilt wird.

Die sogenannte Faustregel für das Verfahren der Wiederernennung des externen Abschlussprüfers zur Gewährleistung einer qualitätsvollen und transparenten Abschlussprüfung vom Juni 2012 unterstützt die Anwendung der Bestimmung 5.2/20 des Kodex. Diese lautet: „Der Abschlussprüfungsausschuss unterbreitet dem Verwaltungsrat einen Vorschlag, was die Auswahl, die Ernennung und die Wiederernennung des externen Abschlussprüfers und die Bedingungen für seine Anstellung anbelangt. Der Verwaltungsrat legt den Aktionären einen Vorschlag zur Genehmigung vor.“

Ernennung und Wiederernennung des externen Abschlussprüfers

In Belgien wird die Eigenschaft des externen Abschlussprüfers (Betriebsrevisors) durch das Institut der Betriebsrevisoren (IBR) zuerkannt. Externer Abschlussprüfer werden Sie nach der Absolvierung eines dreijährigen Praktikums und dem Bestehen verschiedener vom IBR organisierter Prüfungen. In Übereinstimmung mit dem Gesellschaftsgesetzbuch müssen alle Gesellschaften, die bestimmte Kriterien (Anzahl der beschäftigten Mitarbeiter, jährlicher Umsatz, Bilanzsumme) überschreiten, einen externen Abschlussprüfer als Aufsichtsrat einsetzen. Dieser Aufsichtsrat muss beurteilen, ob die finanziellen Aufstellungen ein getreues Bild des Vermögens, des finanziellen Zustands und der Ergebnisse der Gesellschaft wiedergeben. Er muss den Geschäftsbericht kommentieren und prüfen, ob der Geschäftsbericht die erforderlichen Informationen enthält und mit den finanziellen Übersichten übereinstimmt. Außerdem muss der Aufsichtsrat beim Abschlussprüfungsausschuss einen Bericht über wichtige Gegebenheiten verfassen, die bei der gesetzlichen Kontrolle der Jahresabschlüsse ans Licht gekommen sind. Dabei handelt es sich um ernsthafte Mängel während der internen Kontrolle in Bezug auf die Finanzberichterstattung.

Beurteilung der Arbeit des externen Abschlussprüfers auf der Grundlage der festgestellten Auswahlkriterien

Eine qualitätsvolle Abschlussprüfung ist für Ihr Unternehmen, Ihre Aktionäre und die Stakeholder (Kunden, Angestellte, Lieferanten, Kreditinstitute und der Staat) wertvoll. Bei der Ernennung des externen Abschlussprüfers kann ein Aufruf zur Einreichung von Offerten auf vorab festgestellte Auswahlkriterien gestützt werden (z. B. Ausschlusskriterien, Kriterien in Bezug auf die finanzielle und wirtschaftliche Eignung, Kriterien in Bezug auf die technische Eignung).
Denken Sie daran, dass der Abschlussprüfungsausschuss und der externe Abschlussprüfer bei der vom Abschlussprüfungsausschuss vorbereiteten Festlegung der Honorare durch Artikel 134 des Gesellschaftsgesetzbuchs gebunden sind: Das Honorar des externen Abschlussprüfers besteht aus einem festen Betrag, der die Einhaltung der vom Institut der Betriebsrevisionen aufgestellten Prüfnormen garantiert.

Mindestens ebenso wichtig ist die Beurteilung der Tätigkeiten des ernannten externen Abschlussprüfers. Der Abschlussprüfungsausschuss ist dazu am besten situiert. Wenn der Abschlussprüfungsausschuss die Revisionsleistungen positiv bewertet, kann der Verwaltungsrat anschließend den Aktionären oder gegebenenfalls dem Betriebsrat vorschlagen, das Amt des ausscheidenden externen Abschlussprüfers zu verlängern anstatt erneut zur Einreichung von neuen Angeboten aufzurufen. Der Abschlussprüfungsausschuss beurteilt die Arbeit des externen Abschlussprüfers im Hinblick auf den Vorschlag zu seiner Wiederernennung alle drei Jahre, falls sich der externe Abschlussprüfer dazu erneut bewirbt.

Nähere Auskünfte: siehe Website der Corporate-Governance-Kommission (Informationen in Niederländisch, Französisch und Englisch)

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