Verlustvorträge nach Kontrollwechsel in Ihrem Unternehmen

Die Verluste, die Ihre Gesellschaft in den vorigen Jahren erwirtschaftet hat, können in späteren Geschäftsjahren noch vom Gewinn abgezogen werden. Wenn im Laufe des Jahres ein „Kontrollwechsel“ stattfindet, gehen die Verlustvorträge im Prinzip jedoch verloren. Mit anderen Worten: die vorigen Verluste dürfen nicht mehr von späteren Gewinnen abgezogen werden. Im Folgenden wird das Wie und Warum dieser Regel erläutert.

Wer hat die Kontrolle über eine Gesellschaft?

Schlichtweg kann gesagt werden, dass Sie eine Gesellschaft „kontrollieren“, wenn Sie die Befugnis haben, die Mehrheit der Vorstandsmitglieder zu bestellen oder einen entscheidenden Einfluss auf die Unternehmensführung ausüben.

Warum gehen Verluste verloren: Handel mit „verlustbringenden Unternehmen“?

Eines Tages entstand ein Handel mit verlustbringenden Unternehmen. Ein gewinnbringendes Unternehmen erwarb dabei die Kontrolle über eine verlustbringende Gesellschaft, um die eigenen Gewinne dagegen abzusetzen. Dadurch musste die gewinnbringende Gesellschaft natürlich weniger Steuern bezahlen.
Die Anwendung dieser Technik ist schon seit den neunziger Jahren ausgeschlossen. Die Verlustvorträge einer Gesellschaft sind nicht mehr absetzbar, wenn während des Jahres ein Kontrollwechsel stattfindet.

Wie die Verlustvorträge nach einem Kontrollwechsel trotzdem genutzt werden können?

Es wäre allerdings sehr streng, wenn die gesamten Verlustvorträge bei jedem Kontrollwechsel nicht mehr genutzt werden könnten. Deshalb bleiben die Verluste trotzdem absetzbar, wenn der Kontrollwechsel vertretbar ist. Das Gesetz verlangt, dass dieser Wechsel auf „rechtmäßigen finanziellen oder wirtschaftlichen Bedürfnissen“ beruht.

Laut Verwaltung muss das Bestehen dieses Bedarfs aufgrund des Unternehmens beurteilt werden, das diesem Kontrollwechsel unterliegt. Das heißt, dass es nicht ausreicht, dass die neuen Anteilseigner einen finanziellen oder wirtschaftlichen Grund haben, um die Kontrolle zu erwerben. Die Tatsache, dass auch sie eventuell einen Nutzen bei der Übernahme haben, ist nicht von Bedeutung.

Es ist sicherlich die Rede von einem vertretbaren Kontrollwechsel, wenn ein Unternehmen, das in Schwierigkeiten steckt, mit dem Ziel der Erhaltung von (einem Teil von) der Beschäftigung und der Fortführung der Geschäfte des Unternehmens übernommen wird. Die Fortführung desselben Geschäftsbereichs ist nach mancher Rechtsprechung nicht unbedingt notwendig: Diese Bedingung steht schließlich nicht im Gesetz. Das Finanzamt hält jedoch daran fest. Es ist jedoch schon deutlich, dass die Übernahme von „schlafenden“ Gesellschaften, die schon seit Jahren nicht mehr aktiv sind, vom Finanzamt und der Rechtsprechung auf keinen Fall akzeptiert werden sollen.

Auch die Änderung des Geschäftsbereichs einer Gesellschaft nach dem Erwerb der Kontrolle bleibt jedoch riskant. Es wird empfohlen, darüber mit Ihrem Steuerberater zu sprechen und eventuell beim Dienst Vorabentscheidungen in Steuerangelegenheiten eine Vorabentscheidung bzw. ein „Tax Ruling“ zu beantragen.

Zu beachten!

Die oben besprochenen Regeln sind auch von Bedeutung für den nicht gewährten Investitionsabzug und den nicht gewährten fiktiven Zinsabzug aufgrund nicht ausreichender Gewinne in einem vorangegangenen Jahr. Diese Abzüge können auf mehrere Jahre übertragen werden, in denen Ihr Unternehmen ausreichende Gewinne erwirtschaftet. Auch diese „Abzüge“ gehen allerdings verloren, wenn Ihre Gesellschaft einem nicht gerechtfertigten Kontrollwechsel unterliegt.

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